Als unser Ausflugsziel Speyer schon nahe war, ein malerischer Rheinfluss überquert wurde, schob sich die prächtige Silhouette des Kaiserdoms vor tiefblauem Himmel in so eindringlicher, geradezu märchenhafter Weise vor Augen,

als würde sich eine ganz neue Sphäre von Zeit und Raum intensiv ins Bewusstsein drängen. Welches Areal historischer Lebendigkeit sich da eröffente! So erreichten wir unser Fahrziel in froher Erwartung des immer näherkommenden Schönen.

Der aufsteigende Fußgängerweg, eine Baumallee inmitten des Domparks, führte nun auf den Dom zu, worin uns wohl weitere Aufstiege erwarten würden.

Dabei stellte sich eine Erholung ein, nämlich die vom Heute zum Gestern. Und es belebt sich, im Erschreiten vom Äußeren zum Inneren des Doms, der große Gedanke zum Weltganzen…dabei immer gegenwärtig, festgemeißelte Szenen zeitloser Lebendigkeit abendländischen Christentums. Einladung zur Verinnerlichung.

Hier ist nichts ist dem Zufall überlassen, ein durchdachtes Weltverhältnis ist ausgedrückt in diesem Kaiserdom zu Speyer, erbaut vom frühen bis zum spätromanischen Baustil. Linien, Formen, Gestaltungselemente greifen ineinander, führen auf ein Ganzes, Erhabenes zu. Metagedanken möchte ich sagen, so beim Erkennen der Proportionen, wie sie im Verhältnis zueinander stehen, inklusive der vier Weltrichtungen, die hier im massiven Raum bewusst werden.

Ob der Blick nun schweift oder sich ausruht im Einzelnen, immer und überall eröffnet sich der uralte Geist der Romanik, Urgrund der zeitlich folgenden Baustile, die eben auch hier im Dom zu finden sind, nämlich im jahrhundertelangen Zeitenlauf bis heute, in dem der Dom wie für Ewigkeit gebaut steht. Aber was unweigerlich dazu gehört: Immer ist irgendwo etwas eingerüstet, aus Respekt vor der großen Kunst, die es mit Wissen, Liebe und Sorgfalt zu erhalten gilt. Nicht zuletzt dem Dom als UNESCO Welterbe geschuldet.

Ganz im Dienst der Himmelsrichtungen sind die bewusst gestalteten Lichtwirkungen an den vier Höhepunkten der Jahreszeiten. So weisen auch die Häupter der Grabfiguren nach Osten, dem aufgehenden Licht, der großen Verheißung zu.

Einzelne Blicke fallen auf Nazarener-Gemälde, deren viel spätere Entstehung so gar nicht in den Dom passen wollten, zu verspielt und klischeehaft, die aber doch im Wandel der Zeit, selbst innerhalb der hohen romantischen Kunst ihren Platz zu Recht behaupten würden.

Nun, die Welt von heute ist so gar keine kultische mehr, und doch meinte ich momentane Entrückung zu finden, indem Welt und Mensch aufeinander zugehen, sich suchen und finden können.

Mittagessen im wunderbaren Domhof zu Speyer, Hausbrauerei sogar, gleich nebenan mit wohltuend historischem Ambiente und lebendig stärkender Mahlzeit. Spaziergang danach im glücklich gepflegten historischen Stadtbild, mit Genießen und Ruhen, um in das letzte dreistündige Nachmittagserleben eines irdischen Technikparadieses zu münden, nämlich in den Besuch des berühmten Technikmuseums in Speyer.

In den Einschränkungen der typischen Juli Nachmittagshitze bedauerte ich sehr, das tausendfältig Gebotene nur in großen Zügen zu durchlaufen. Es war mir als schritte ich weiter in der Zeit fort, erkennend, wie Raum und Zeit nach und nach überwunden werden konnte mit Spitzenleistungen der Technik. Da sind alte noch schwerfällige Lokomotiven - gruselig deren technische Innenräume - dann schnittige coole Fahrzeuge und schließlich unentwegt rasanter werdende historische Flugzeugmodelle. Diese Gegenstände immer in Formschönheit, alles in Hallen und auf Freigeländen, mit angenehmen Ausruhmöglichkeiten, bis hin zur Halle der Raumfahrt, in Erinnerung an den Beginn der bemannten und unbemannten Flüge ins All, die immer weiter einen Weg weisen in nie zuvor Erwartetes, in ein Heute, das ein Morgen verändern wird.

© Anita Vogel, 4.7.2026